Andriy Lyubka, so erfahren wir in den Reportagen, kauft mit Spendengeldern ausrangierte Geländewagen auf, die er mithilfe seiner Mitstreiter fronttauglich aufmöbelt und dorthin schafft, wo sie gebraucht werden. So bewegen er und sein Team sich auf ihren Touren kreuz und quer durch die Ukraine nahezu ausschließlich auf der Rückseite des Krieges, wie er schreibt, wo gelebt, gelacht, gekämpft und manchmal auch vor der Abreise ein Espresso zubereitet wird, was so surreal und schwarzhumorig wirkt, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Er erzählt von Soldatinnen und Soldaten, die zur Not auch mal zusammenwerfen, um das Taxi bezahlen zu können, das sie zur Front bringen soll, von Frauen und Müttern, die eben dort ihre Liebsten verlieren, von Roma, Juden, Muslime und Baptisten, die die Freiwilligen auf ihren gefahrvollen Wegen vollkommen selbstlos unterstützen und nicht danach fragen, woher man kommt und welchem Glauben man folgt. Herzzerreißende Geschichten, die berühren, bewegen und nachdenklich machen angesichts der kleinlichen Sorgen, die unseren Alltag vielfach begleiten.
Machte uns in der Vorbereitung auf die Lesung noch der Gedanke bange, ob wir nach 4 zermürbenden Jahren des Krieges überhaupt noch ein Publikum finden würden, das sich die Zeit nehmen wollte, dem Überlebenskampf der Ukraine für einen kurzen Moment ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken, so löste sich dieser Gedanke angesichts eines sich rasch füllenden Lesesaals auf der Stelle in pures Glücksgefühl auf. Und die Aufmerksamkeit, das Lächeln und die Tränen, die das Publikum den literarischen Reportagen von Andriy Lyubka entgegenbrachte, waren sichtbares Zeichen dafür, dass die Solidarität mit der Ukraine noch nicht erschöpft ist und die Hoffnung nach wie vor groß, dass das Land diesen Krieg überleben würde.